Definition Was ist der Turing-Test?

Von Dipl.-Ing. (FH) Stefan Luber 4 min Lesedauer

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Bei dem nach dem britischen Mathematiker und Logiker Alan Turing benannten Turing-Test handelt sich um eine Untersuchungsmethode zum Nachweis von Intelligenz und Denkvermögen von Maschinen. Im Rahmen eines Frage-Antwort-Spiels zwischen einem Fragesteller und einem menschlichen und einem computerbasierten Gesprächspartner muss der Fragesteller entscheiden, ob es sich bei seinem Gegenüber um einen Menschen oder um eine Maschine handelt.

(Bild:  © aga7ta - stock.adobe.com)
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Der Turing-Test ist eine im Jahr 1950 vom britischen Mathematiker, Logiker und Kryptoanalytiker Alan Turing vorgeschlagene Untersuchungsmethode, mit der sich Denkvermögen und Intelligenz von Maschinen nachweisen lassen soll. Alan Turing lebte von 1912 bis 1954. Er gilt als einer der Vorreiter und einflussreichsten Theoretiker der frühen Informatik und Computerentwicklung. Den Turing-Test entwickelte er während seiner Lehrtätigkeit an der Universität Manchester. Ursprünglich nannte er den Test „Imitation Game“.

Turing veröffentlichte seine Arbeit in einem Fachartikel mit dem Titel „Computing Machinery and Intelligence“. Der Test betrachtet nur das kommunikative Verhalten einer Maschine. Die Testmethode basiert auf der Annahme von Turing, dass eine Maschine mit dem menschlichen Denkvermögen vergleichbare Fähigkeiten besitzt und über Künstliche Intelligenz verfügt, wenn die maschinellen Antworten im Dialog mit dem Menschen nicht zuverlässig von menschlichen Antworten zu unterscheiden sind. Im Rahmen eines Frage-Antwort-Spiels zwischen einem menschlichen Fragesteller und einem menschlichen und einem computerbasierten Gesprächspartner muss der Fragesteller entscheiden, ob es sich bei seinem Gegenüber um einen Menschen oder einen künstlichen Gesprächspartner handelt.

Ob sich mit dem Turing-Test tatsächlich ein objektiver Nachweis von Künstlicher Intelligenz erbringen lässt, gilt als umstritten und fraglich. Viele KIs haben den Test bestanden. Selbst das bereits 1966 von Joseph Weizenbaum entwickelte Computerprogramm ELIZA zeigt beim Turing-Test ein gutes Abschneiden, obwohl es keine wirkliche Intelligenz besitzt und nur versucht, auf sein Gegenüber einzugehen. Auch wenn mittlerweile neuere und ausgefeiltere Untersuchungsmethoden entwickelt wurden, ist der Turing-Test im KI-Bereich nach wie vor von Bedeutung.

Der Ablauf des Turing-Tests

An einem Turing-Test sind drei Kommunikationspartner beteiligt: ein menschlicher Fragesteller, ein menschlicher Antwortgeber und ein maschineller Antwortgeber. Die Gesprächspartner „unterhalten“ sich über Terminals mit Tastatur und Bildschirm, ohne Sicht- oder Hörkontakt. Für den Fragesteller ist es nach äußerlichen Merkmalen nicht ersichtlich, ob er sich mit der Maschine oder mit dem Menschen unterhält. Der Fragesteller stellt in mehreren Runden beliebige Fragen, die von den Gesprächspartnern beantwortet werden müssen. Anhand der erhaltenen Antworten muss der Fragesteller entscheiden, welcher Antwortgeber der echte Mensch und welcher die Maschine ist. Liegt er bei mehr als 50 Prozent seiner Entscheidungen falsch, gilt der Turing-Test für die Maschine als bestanden.

Oft spricht man bei einer vereinfachten Form der Fragerunde mit nur einem Testkandidaten ebenfalls vom Turing-Test, auch wenn es sich streng genommen nicht um einen solchen handelt. In der vereinfachten, reduzierten Form unterhält sich der Fragesteller nur mit einem einzigen Testkandidaten. Der Fragesteller entscheidet nach seiner Unterhaltung, ob es sich bei dem Gegenüber um einen Menschen oder eine Maschine handelt. Ist er der Meinung, dass er sich mit einem Menschen unterhalten hat, es sich aber tatsächlich um einen Computer handelte, gilt der Test für die Maschine als bestanden.

Der „umgekehrte Turing-Test“

Neben dem Turing-Test gibt es die Form des „umgekehrten Turing-Tests“. Bei diesem Test muss ein Mensch einen Computer davon überzeugen, dass er ein Mensch und keine Maschine ist. Typisches Beispiel für eine Anwendung dieses Tests ist das CAPTCHA-Verfahren, mit dem nachgewiesen werden soll, dass Eingaben von einem Menschen stammen und kein maschineller SPAM sind. Der Begriff Turing-Test ist sogar im Namen des CAPTCHA-Verfahrens „Completely Automated Public Turing Test to tell Computers and Humans Apart“ zu finden.

Kritikpunkte am Turing-Test und seine heutige Bedeutung

Es gibt zahlreiche Kritikpunkte am Turing-Test. So ist es umstritten und fraglich, ob sich mit der Testmethode Künstliche Intelligenz und Denkvermögen von Maschinen tatsächlich objektiv nachweisen lassen. Der Turing-Test zieht alleine das kommunikative Verhalten einer Maschine für das Testverfahren heran. Er basiert auf der Annahme, dass eine Maschine intelligent ist, wenn ihre Antworten von einem menschlichen Fragesteller nicht zuverlässig von menschlichen Antworten zu unterscheiden sind. Letztlich muss eine Maschine nur menschliche Kommunikation imitieren und dem Fragesteller vortäuschen, dass es sich um menschliche Antworten handelt. Zumal auch viele subjektive Komponenten bei den Entscheidungen des Fragestellers, ob es sich um einen Menschen oder eine Maschine handelt, eine Rolle spielen.

Dem Turing-Test wird nachgesagt, dass er mehr die menschliche Leichtgläubigkeit als tatsächlich Künstliche Intelligenz teste. Relativ primitive Programme wie ELIZA schneiden beim Turing-Test durch scheinbares Eingehen auf den Gesprächspartner und ohne tatsächliches Verständnis der Kommunikation relativ gut ab. Das stützt die These, dass mit der Testmethode kein objektiver Nachweis von Künstlicher Intelligenz erbracht werden kann.

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Auch wenn der Turing-Test im KI-Umfeld nach wie vor von Bedeutung ist und als eine Art Ausgangspunkt für die Erforschung und den Nachweis von KI angesehen werden kann, existieren mittlerweile zahlreiche alternative Konzepte und neuere, ausgereiftere Verfahren zum Testen des Denkvermögens und anderer Aspekte oder Fähigkeiten moderner KI-Modelle. Sie ermöglichen es zum Beispiel, sich ein Urteil über den „gesunden Menschenverstand“ und das „Weltwissen“ der Modelle zu erlauben. Zu den alternativen Testverfahren zählen beispielsweise die Winograd Challenge, der Lovelace-2.0-Test, der Marcus-Test oder der Metzinger-Test.

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